Die Diaplant-Methode
Bei Diaplant wachsen nahezu alle Bäume im Freiland. Nicht in Plastiktöpfen, nicht in künstlichem Substrat — in der Erde, auf dem Feld, in Amarante. Und alle drei bis fünf Jahre wird jeder Baum ausgehoben, die Wurzeln werden geschnitten und das Exemplar in einer anderen Parzelle neu gesetzt, mit mehr Raum. Dieser Zyklus wiederholt sich über Jahre, mitunter über Jahrzehnte, bis zu dem Tag, an dem der Baum die Baumschule in Richtung seines endgültigen Ziels verlässt.
Die Technik hat einen Namen. Auf Deutsch heißt sie Verschulen, und sie entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Baumschulen Norddeutschlands und der Niederlande. Carlos Azevedo lernte sie bei Baumschulen aus eben diesen Regionen und brachte sie auf die 33 Hektar von Amarante, wo er sie mit den Anpassungen anwendet, die Klima und Boden der Iberischen Halbinsel verlangen. Auf der Iberischen Halbinsel ist das Verschulen nahezu unbekannt. Diaplant ist eine der wenigen Baumschulen — vielleicht die einzige —, die es als wichtigste Produktionsmethode einsetzt.
Das Prinzip ist einfach: Jede Verpflanzung zwingt den Baum, dicht am Stamm feine, aktive Wurzeln neu zu bilden, und baut so einen kompakten, in sich geschlossenen Wurzelballen auf. Zugleich wird die Krone erzogen, das Gleichgewicht zwischen oberirdischem und unterirdischem Teil beurteilt, und der Baum erhält eine lesbare Vorgeschichte — nicht nur über sein Wachstum, sondern über seine Reaktionen. Ein Baum, der vier oder fünf solcher Zyklen durchlaufen hat, hat wiederholt bewiesen, dass er den Standort zu wechseln versteht. Der Wurzelballen kommt ganz aus dem Boden. Die Wurzeln wachsen nach außen, radial, statt sich um sich selbst zu drehen, wie es in einem Plastikcontainer geschieht. Das Ergebnis ist ein Baum mit größerer Anwuchssicherheit an seinem Ziel — und der Fähigkeit, dort weiterzuwachsen. In Einzelfällen ist der Container sinnvoll, und dann wird er auch verwendet. Doch die Regel ist bei Diaplant das Freiland.
Diese Arbeit verlangt ständige Beobachtung. Es gibt Entscheidungen, die einem Protokoll folgen, und Entscheidungen, die sich aus dem unmittelbaren Lesen des Exemplars ergeben: die Art, der Stammumfang, die Vitalität, die Verpflanzungsgeschichte, das Verhalten des Wurzelballens, die Windexposition, der Boden, der ihn aufnehmen wird, und die im Projekt angestrebte Wirkung. Das Team kennt die Herkunft jedes Baumes, sein Verhalten und seine Grenzen — und erst diese Vertrautheit erlaubt es, jede Entscheidung auf das konkrete Exemplar abzustimmen, nicht nur auf einen Eintrag in einer Liste.
Die Methode von Diaplant endet auch nicht in der Baumschule. Die Wahl des Baumes, der Transport, das Abladen, die Pflanzung, die Verankerung, die erste Bewässerung und die Begleitung gehören zur selben Kette. Ein ausgewachsener Baum wird nicht nur produziert. Er wird darauf vorbereitet, diese ganze Kette zu durchlaufen — von unserem Feld in Ihren Garten — ohne zu verlieren, was er über Jahre auf dem Feld gewonnen hat.